Kunst & Genuss in den Dolomiten

Autor: Barbara Pichler
Fotografie: Biennale Gherdëina; Dolomites Val Gardena

Das Grödnertal im Herzen der Dolomiten ist ein Ort voller Geschichte, Tradition und Kunst. Neben facettenreichen Landschaftsbildern hat Ladinien auch eine sprachliche Besonderheit zu bieten. Hier treffen gleich drei verschiedene Kulturen aufeinander – die ladinische, die italienische und die deutsche. Die ladinische bzw. rätoromanische Sprache hat sich in den fünf Jahrhunderten der Römerherrschaft in den Alpen gebildet und durch die etwas abgeschiedene Lage des Grödner- und Gadertales erhalten.

 

Genauso interessant sind die alten Bräuche, die bis heute gelebt und von Generation zu Generation weitergegeben werden. Beispielsweise die alte Tradition der Holzbildhauer. Ihre berühmten Holzschnitzereien lassen sich in den verschiedenen Schnitzstuben bewundern oder als Andenken erwerben. Was vor über 400 Jahren mit den ersten geschnitzten Gebrauchsgegenständen und Spielzeugen begann, entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte zu wahrer Kunst.

Das diesjährige Highlight bildet die Biennale Gherdëina, eine Veranstaltung, welche die alten Traditionen des Ortes mit zeitgenössischer Kunst verschmelzen lässt. Es kann als Anregung zum Gedankenaustausch über die Kunst und das Leben betrachtet werden.

 

Unsere geführte Tour beginnt in der Fußgängerzone von St. Ulrich. Hier begegnen wir den ersten Kunstwerken, die installativ das Dorfzentrum bespielen. Gegenüber der Hauptausstellung im Trenkersaal befindet sich die „Art 52“ mit Schnitzereien von Grödner Bildhauern. Über die Trenkerpromenade fährt die Standseilbahn Raschötz Gäste in acht Minuten auf 2.200 Höhenmeter. Auf dieser Höhe imponiert der Blick auf die Bergkulisse mit Sellastock, Marmolata und Langkofel noch mehr. Eine eindrucksvolle Begegnung mit traditioneller und zeitgenössischer Kunst im Einklang mit der Natur.

 

Hier lässt sich das neue und das alte Ladinien erleben und über die Entwicklung dieser besonderen sprachlichen Insel staunen. Zudem spannend: die Fischburg, die während der Zeit der Biennale teilweise geöffnet, sonst selten für Besucher zugänglich ist.

 

Von St. Christina aus beginnt der „Sentiero“ von Alex Cecchetti. Dieser Pfad lädt zu einem erlebnisreichen Eintauchen in die Natur ein, wo der Künstler Pflanzen mit Stoffen verwebt und ganz besondere Begegnungen zwischen uns Menschen mit der Pflanzen- und Tierwelt ermöglicht. Cecchettis Zugang erinnert an den kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry, an die Schönheit, die Liebe und die Verantwortung für alles was wir uns vertraut gemacht haben. Am Ende des Wanderwegs erreichen die Besucher*innen die Jurte, ein Ruhepol und Tempel der Kontemplation.

Bei unserer Tour ist der Besuch von mitunter kulinarisch interessanten Höhepunkten garantiert. Einer davon liegt oberhalb von St. Christina. Hier lässt sich ein weiterer besonderer Ort erkunden, der seit dem 13. Jahrhundert wie ein Adlerhorst eine unglaubliche Perspektive auf die Umgebung ermöglicht. Es ist der Hof von Klaus und Gemma. Sie haben den alten Bauernhof der Familie behutsam restauriert. Die Fassade besticht durch ihre ursprüngliche Ästhetik. Auch die drei Stuben und die Küche des Hauses wurden liebevoll aus der alten Substanz bewohnbar gemacht. In der kleinsten Stube, gerade mal 2 x 3 m groß, haben bis in die 80er Jahre noch die fünf Töchter des Hauses geschlafen. Heute bearbeiten die Bauersleute den Hof mit einem Garten und halten drei Kühe, Hühner und Hasen. Das sind die Hauptquellen der hausgemachten Ladinischen Spezialitäten. An drei Wochentagen empfangen Klaus und Gemma Gäste und servieren ihre Köstlichkeiten in den beeindruckenden Stuben.  Die Aussicht vom Hof ist atemberaubend, die Ruhe, trotz der Nähe zum beliebten Touristenort, wunderbar.

Kunst & Genuss in den Dolomiten
Kunst & Genuss in den Dolomiten
Barbara Pichler ist erfahrene Fremdenführerin und Experience-Designerin für laifain.

Von Wolkenstein aus geht es ins nahe Langental. Entlang des Weges kann man Klänge und Installationen erleben und je nach Veranstaltungskalender der Biennale Gherdeina, auch Performances bewundern. Wieder zurück in Wolkenstein geht es ins Kulturzentrum Tublà da Nives. Hier trifft man auf Künstlerinnen und Künstler der jüngeren Generation. Von Wolkenstein aus besteht die Möglichkeit, das Sellajoch zu erreichen, mit seinem Klettergarten „Steinerne Stadt“ und einem weiteren unglaublichen Dolomitenpanorama. Wer möchte, kann vom Sellajoch mit der Bahn auf die Langkofelscharte fahren. Interessanter Fakt: Der Lift ist ein echtes Museumsstück.

 

Wir erfahren hier sehr deutlich: die Grödner*innen zieht es immer wieder in Richtung Kunst und Kreativität. In der Not vor einigen hundert Jahren und auch jetzt, wo es weniger um die wirtschaftliche Not als um eine neue Auseinandersetzung mit dem Sein und eine neue Sehnsucht geht. Eine Sehnsucht nach dem, was war. In der Natur, der Langsamkeit, der Kunst und Kreativität lässt sich wieder gut zu sich selbst zurückfinden.

 

Die 8. Ausgabe des Festivals Biennale Gherdëina, kuratiert von Lucia Pietroiusti und Filipa Ramos trägt den Titel Persones Persons und findet vom 20. Mai bis 25. September 2022 in St. Ulrich und der umliegenden Landschaft im Grödnertal, im Herzen der Dolomiten, statt.

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